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Filmografie
Tiefland
Tonfilm, s/w; 99
Minuten
Deutschland, 1940-1954
Regie: Leni Riefenstahl
Darsteller: Bernhard Minetti,
Leni Riefenstahl, Franz Eichberger, Aribert Wäscher, Maria Koppenhöfer
u.a.
Uraufführung 11.02.1954 im
EM-Theater, Stuttgart
Leni Riefenstahls
langwierigstes und in der Realisation aufgrund der (Nach-)
Kriegswirren gefährdetstes Filmprojekt, dessen endgültige
Fertigstellung aufgrund langwieriger Verhandlungen mit französischen
Behörden wegen der Beschlagnahmung des Filmmaterials viele Jahre
in der Schwebe hing und oft zu scheitern drohte. Einzelne
Sequenzen des Filmmaterials gingen jedoch unwiederbringlich
verloren.
Ursprünglich begann Leni Riefenstahl bereits 1934 zwischen
"Der Sieg des Glaubens" und "Triumph des Willens"
mit der Arbeit an "Tiefland", mußte jedoch die
Dreharbeiten in Spanien nach zeitlichen Verzögerungen
infolge finanzieller und logistischer Probleme aufgrund einer
Erkrankung abbrechen, sodass das Projekt wegen anderer
Aufgaben wieder in Vergessenheit geriet. Erst nach
Kriegsausbruch 1939, als der Stoff für einen neuen Film
gesucht wurde und ihr geplanter "Penthesilea"-Film
nun nicht mehr realisierbar erschien, griff Leni Riefenstahl
das Thema erneut auf, auch, um sich damit der Produktion von weiteren Propaganda-Filmen zu
entziehen.
Als der Film nach einer Odyssee in französischer Beschlagnahmung endlich
fertiggestellt werden konnte und 1954 in Stuttgart zur Uraufführung gelangte,
war der Erfolg nur begrenzt, da aufgrund von Protesten von Gegnern Leni
Riefenstahls viele Filmtheater ihre Bereitschaft, den Film aufzuführen,
zurückzogen.
Der Film basiert auf dem
Thema der Oper "Tiefland" von Eugen d'Albert. Die Filmmusik stammt
von Eugen d'Albert, zusätzliche Kompositionen und Bearbeitungen durch Herbert
Windt.
Der Schafhirte Pedro (Franz Eichberger), der allein in den Bergen die Schafe
seines Herrn, dem Marqués Don Sebastian de Roccabruna (Bernhard Minetti) versorgt, überbringt
diesem im Tiefland in einem kleinen spanischen Dorf das Fell eines Wolfes, den er bei dessen Angriff auf seine
Schafsherde erwürgt hatte. In einer Taverne sehen Pedro und der Marqués die
dort tanzende Zigeunerin Martha (Leni Riefenstahl) und verlieben sich beide in
sie. Don Sebastian macht sie zu seiner Geliebten, während Pedro zu seinen
Schafen in die Berge zurückkehren muß. Don Sebastian befindet sich mit seinen
Pachtbauern in Konfrontation, weil er ihnen in einer Dürrezeit das dringend benötigte Wasser für
ihre Felder abgräbt, um damit seine Stiere tränken zu können. Martha versucht
den armen Bauern zu helfen, worauf sie von Don Sebastian gedemütigt wird, weil
sie ein kostbares Geschenk von ihm weiterverschenkt hatte, um dem Müller bei
der Zahlung seines Pachtzinses zu helfen. Sie flieht in die Berge und wird von
Pedro gefunden und in seiner Hütte aufgenommen. Knechte Don Sebastians suchen
sie jedoch und bringen sie ins Tiefland zu Don Sebastian zurück. Aufgrund seiner
hohen Verschuldung soll Don Sebastian auf Anraten seines zwielichtigen
Verwalters Camillo (Aribert Wäscher) eine Verbindung mit der reichen, von ihm aber ungeliebten
Tochter des Bürgermeisters, Doña Amelia (Maria Koppenhöfer), eingehen. Er
willigt schließlich ein, als ihm Camillo einen Plan eröffnet, der ihm
durch eine Heirat von Pedro und Martha weiterhin ein heimliches Verhältnis mit
Martha ermöglichen soll. Als Don Sebastian in der Hochzeitsnacht der beiden
Paare vorzeitig die Hochzeitsgesellschaft verläßt, um die Nacht mit Martha zu
verbringen, kommt es zum Streit mit Pedro. Im Zweikampf auf Leben und Tod
erwürgt Pedro, wie bereits zu Beginn des Dramas den Wolf, nun den despotischen
Grundbesitzer unter den Augen der ihn zuvor wegen seiner Heirat noch
verlachenden Bauern. Das Schlußbild zeigt Martha und
Pedro, wie sie über eine Wiese in eine märchenhaft verschleierte Bergwelt
aufbrechen und das Tiefland verlassen.
"Tiefland" ist ein
teilweise sehr stilisierter und insbesondere in den Landschaftsszenen ein
ungeheuer malerischer Film mit einer in manchen Szenen an Gemälde erinnernden
Bildsprache. Dies wurde durch die Verwendung spezieller Filter und speziellen
Filmmaterials ermöglicht.
Trotz allem ist Leni Riefenstahl mit ihrem Film
selbst nicht glücklich, da ihr viele wichtige Szenen, insbesondere zum Thema
des Wassers, das nach ihrer Vorstellung als Bindeglied von Bergen und Tiefland
eine symbolische Hauptrolle spielen sollte, durch die Beschlagnahmung verloren gegangen waren. So konnte sie
diesen Film nie in der von ihr geplanten und gewünschten Form verwirklichen,
vieles blieb nach eigenen Angaben bruchstückhaft und unvollkommen. In ihren
Memoiren ist sie selbst auch mit ihrer Besetzung in der Hauptrolle unglücklich.
Immer wieder, schon bei der
Uraufführung des Films und insbesondere auch zu Leni Riefenstahls 100.
Geburtstag, kam der Film und seine Regisseurin in die Kritik, weil Leni
Riefenstahl Roma aus dem Lager Maxglan bei Salzburg als Statisten für den Film
herangezogen hatte, die später zum Teil in Konzentrationslagern ermordet worden
waren. Der Vorwurf, daß es sich bei dem Lager Maxglan um ein
Konzentrationslager gehandelt haben soll, und daß Leni Riefenstahl die
Statisten aus dem Lager persönlich abgeholt haben soll, ließ sich jedoch in
verschiedenen Prozessen nicht aufrecht erhalten. Trotz allem bleibt der
Eindruck, daß sich Leni Riefenstahl für ihre Statisten hätte stärker
einsetzen können, um sie vor ihrem Schicksal zu bewahren.
(H.S.)

Derzeit in Europa in folgenden
Formaten erhältlich:
- Video:
- arte-Edition / arthaus (Best.-Nr. 1088)
- Taurus-Filmkollektion (?)
- DVD:
- seit 2004 erhältlich
Weitere Bilder siehe Filmprogrammhefte
zu Tiefland:
- Das Programm
von Heute Nr. 251
- Illustrierte
Filmbühne Nr. 2161
- Das neue
Filmprogramm
Werkaufnahmen zum Film in der
Galerie II
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