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Triumph des Willens

Dokumentar-Film über den 6. Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg 
vom 04. bis 10. September 1934.

Tonfilm, s/w; 114 Minuten
Deutschland, 1935

Regie: Leni Riefenstahl

Kamera: Sepp Allgeier, Walter Frentz, u.v.a.

Musik: Herbert Windt

Uraufführung am 28.03.1935 im UFA-Palast am Zoo, Berlin

 

Es dürfte wohl in der Filmgeschichte keinen einzigen Film geben, der in seiner Rezeption so extrem kontrovers beurteilt wird wie "Triumph des Willens". Nirgendwo sonst divergieren moralisch-politische und künstlerisch-ästhetische Bewertungen mehr als bei diesem Film. Zu seiner Zeit noch international ausgezeichnet ("Bester ausländischer Dokumentarfilm" beim Internationalen Filmfestival in Venedig 1935; Goldmedaille bei der Weltausstellung in Paris 1937) wurde er Leni Riefenstahl, und hier insbesondere natürlich in Deutschland, nach 1945 zum Verhängnis. Dieser Film allein, mit der Konsequenz einer untrennbaren Assoziation zum NS-Regime, dürfte bewirkt haben, daß ihre Karriere als Regisseurin nach 1945 beendet war, und alle weiteren Projekte bereits im Ansatz zum Scheitern verurteilt waren.

Einerseits wird "Triumph des Willens" als Meisterwerk der Film- und Bildsprache angesehen, andererseits stellt er wohl die Perfektion des Propaganda-Films dar. Noch heute ist ein Verkauf und eine Aufführung des Films in Deutschland nur zu wissenschaftlichen Zwecken oder Lehrvorführungen erlaubt.

Leni Riefenstahl sieht "Triumph des Willens" nicht als Propaganda-Film an, da sie für sich beansprucht, in diesem Film nur dokumentarisch den Ablauf des 6. Reichsparteitages der NSDAP in Nürnberg 1934 festgehalten zu haben, ohne daß ein Kommentar den Ablauf untermalt hätte, oder daß bestimmte Abläufe des Parteitages auf die Filmarbeiten abgestimmt worden wären. Nach eigenen Angaben fand sie sich 1934 nur widerstrebend unter Druck Adolf Hitlers bereit, diesen Film zu drehen, nachdem sie bereits im Jahr zuvor auf Wunsch Hitlers den Parteitag von 1933 dokumentarisch verfilmen mußte ("Der Sieg des Glaubens"), ohne spezielle Vorbereitung, ausreichende Mitarbeiter und Material.

Für die Verfilmung des Reichsparteitages 1934 in Nürnberg standen Leni Riefenstahl dann mit 18 Kameramännern (unter ihnen Sepp Allgeier und Walter Frentz) und weiteren Assistenten ungleich bessere Möglichkeiten zur Verfügung. Innovative und ungewöhnliche Methoden der Bildgestaltung und Filmkomposition kamen nun in bislang nicht gekanntem Ausmaß zum Ausdruck. Neue Aufnahmetechniken, ungewöhnliche Kamerapositionen, auf Schienen fahrbare Kameras ("Beweglichkeit der Kameras"), ja sogar ein an einem Fahnenmast angebrachter kleiner Fahrstuhl-Lift ermöglichten Bildkompositionen ungekannter Art und Wirkung, die durch die speziellen dramaturgischen Methoden der fünf Monate beanspruchenden Schnitt-Arbeiten und der musikalischen Untermalung bislang nicht gesehene Eindrücke schafften. Die zunächst von dem bekannten Regisseur Walter Ruttmann ("Berlin. Symphonie einer Großstadt") bereits begonnenen Arbeiten ("Prolog") wurden bei der Fertigstellung des Films nicht mehr berücksichtigt. Dies vermutlich aus politischen Gründen, weil der in seinem Portrait des Aufstiegs der NSDAP noch auftretende SA-Chef Ernst Röhm nach seiner Ermordung nicht mehr erscheinen durfte.

Betrachtet man den Begriff "Propaganda-Film" auch als (nachträgliche) Form einer ideologischen Stilisierung, Bearbeitung und Montage eines filmischen Materials, hier des Dokumentarfilms, so ist "Triumph des Willens" sicher auch als "Propaganda-Film" einzustufen, wenngleich es niemals Ziel und Absicht im künstlerischen Schaffensprozeß der Regisseurin gewesen sein sollte. Im Unterschied zu einem reinen Dokumentarfilm wurden zusätzlich Form- und Gestaltungs-Elemente anderer Film-Gattungen verwendet (als Beispiel ist hier insbesondere die Eingangssequenz mit der Landung von Hitlers Flugzeug in Nürnberg zu nennen) und der chronologische Ablauf der Ereignisse wurde aufgehoben. Im Gegensatz zu "Der Sieg des Glaubens" ist "Triumph des Willens" mit wesentlich mehr Groß- und Nah-Aufnahmen Hitlers deutlicher auf die "Hauptperson" Hitler bezogen.

Nach Angaben der Ufa gehörte der Film zu den besten drei Filmen des Produktionsjahres 1934/35, bzw. stand auf Rang 6 der erfolgreichsten Filme des Jahres 1935/36.

Diskussionen mit der im Film aus künstlerischen Aspekten vernachlässigten Reichswehr ließen aus einer Kompromiss-Lösung heraus 1935, anläßlich des 7. Reichsparteitages, noch den Film "Tag der Freiheit! - Unsere Wehrmacht!" entstehen. Der  28-minütige Film wurde vornehmlich von den Kameramännern Sepp Allgeier, Hans Ertl, Walter Frentz, Guzzi Lantschner und Willi Zielke geschaffen.

Der Film "Triumph des Willens" trug und trägt immer noch sicher am meisten zur Bekanntheit und Berühmtheit Leni Riefenstahls im In- und Ausland bei. Doch auch wenn hier schon Innovationskraft, Kreativität und außergewöhnliche Bild- und Formgestaltung in Leni Riefenstahls Filmschaffen einen Höhepunkt erreichten, so stellt für mich "Olympia" ihr eigentliches Meisterwerk dar, in dem ungleich höhere logistische, filmische und künstlerische Anforderungen erfüllt werden mußten.

 

 

 

 

Derzeit in Europa (nicht in Deutschland!) in folgenden Formaten erhältlich:

  • Video:
    - DD-Video (North Harrow, Mddx, England)
      mit Bonus: "Tag der Freiheit" (gekürzte Fassung)
  • DVD:
    - DD-Video
    - Moonstone Pictures MSD 1256

 

 

 

Ein komplettes Film-Script (englisch) ist über folgenden Link einzusehen:
http://www.reocities.com/emruf4/triumph.html

Es stammt aus folgendem Buch:

Smith,David Calvert:
TRIUMPH OF THE WILL: A FILM BY LENI RIEFENSTAHL.
Richardson, Texas: Celluloid Chronicles Press (Chronicle Film Script Series), 1990

 

 

Weiteres Bildmaterial:

Illustrierter Filmkurier "Triumph des Willens"

 

Empfehlenswerte (deutschsprachige) Literatur:

Loiperdinger, Martin:
"Triumph des Willens" - Einstellungsprotokoll des Films von Leni Riefenstahl
Filmland-Presse, München 1980

Loiperdinger, Martin:
Rituale der Mobilmachung - Der Parteitagsfilm "Triumph des Willens" von Leni Riefenstahl
Leske und Budrich Verlag, Opladen 1987

 

 

Links zum Reichsparteitagsgelände und Dokumentationszentrum in Nürnberg:

http://www.museumsvielfalt.nuernberg.de/dokumentationszentrum/

http://www.museen.nuernberg.de/reichsparteitag/index_reichsparteitag.html

http://www.nuernberg.de/tourismus/rundgaenge/reichsparteitagsgelaende/

 

 

 

Eingang zum Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände an der NS-Kongresshalle in Nürnberg
mit der Ausstellung "Faszination und Gewalt" auf 1300 Quadratmetern Fläche.

 

Geschichtlich Interessierten ist ein Besuch des Dokumentationszentrums sehr zu empfehlen. Aufgrund der Fülle der Informationen kann man sicher einen halben Tag einplanen.

 

 

 

 

Kongresshalle (Ansicht von Südost) auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände.
Sie blieb im Bau unvollendet. Im Nordflügel der Bauruine wurde das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände eingerichtet und im Jahr 2001 fertiggestellt.

 

 

 

 

 

 

Zeppelin-Tribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände

 

Die Zeppelin-Tribüne auf dem Zeppelinfeld ist neben der Kongresshalle das einzige, zumindest partiell erhalten gebliebene Bauwerk auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Hier wurden, wie in der  1959/1960 abgetragenen Luitpoldarena im Luitpoldhain, die Massenaufmärsche und Kundgebungen der NS-Reichsparteitage abgehalten.
Die Pfeilerreihen links und rechts der Haupttribüne wurden 1967 wegen Baufälligkeit abgetragen.

(Fotos: Helmut Schmidt © 2003)

 

 

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