Zurück
zur Filmografie
Stürme über dem Montblanc
Tonfilm, s/w;
110 Minuten
Deutschland, 1930
Regie: Dr.
Arnold Fanck
Darsteller:
Leni Riefenstahl, Sepp Rist, Ernst Udet, Mathias Wieman, Friedrich Kayssler
Uraufführung
am 25.12.1930 im Prinzeß-Theater, Dresden; UFA-Theater Schwan, Frankfurt a.M.
„Stürme über
dem Montblanc“ ist der erste Tonfilm Leni Riefenstahls unter der Regie von Dr.
Arnold Fanck, der als Stummfilm gedreht wurde. Eigens für das Medium Tonfilm
musste Leni Riefenstahl Sprechunterricht nehmen. Ton und Geräuschkulisse wurden
jedoch erst nachträglich im Studio synchronisiert.
Der Film erzählt
die Geschichte des Wetterwartes Hannes (Sepp Rist), der in seiner Station am
Montblanc ein zurückgezogenes und einsames Dasein führt. Durch den Piloten
Ernst Udet erfährt er von der Radioübertragung eines Konzertes seines Freundes
Walter (Mathias Wieman), einem Organisten. Per Morsefunk unterhält er Kontakt
zu dem Astrologen Dr. Armstrong (Friedrich Kayssler) und seiner Tochter Hella
(Leni Riefenstahl), einer modernen jungen Frau, die sich für Wissenschaft und
Ski begeistert und mit ihm die Sternwarte führt. Hella nimmt an einer Fuchsjagd
im Dorf teil, die über weite Strecken einen Großteil des Filmes einnimmt und
durch die waghalsigen Skikunststücke und häufig geschnittenen Aufnahmen
unterhaltsam und sehr interessant anzusehen ist. Kurz bevor Hella von ihren
Verfolgern eingeholt wird, landet der Flieger Udet auf dem verschneiten Gelände,
rettet Hella und nimmt sie mit zu einem Ausflug über das Montblanc-Massiv.
Dabei fliegen sie über die Wetterstation von Hannes, Hella lässt ihm eine
Nachricht zukommen und verabredet mit ihrem Vater, den einsamen Wetterwart zu
besuchen. Bald darauf schon befindet sich Hella mit ihrem Vater in der Hütte
des Wetterwartes Hannes und verliebt sich in ihn. Zusammen mit Hannes unternimmt
sie eine Expedition zum Montblanc-Gipfel, wobei der Vater, der ihnen folgen möchte,
abstürzt und stirbt. Hannes gibt der untröstlichen Hella den Rat, seinen
Freund, den Organisten Walter zu besuchen und sich um den kranken Künstler zu kümmern.
Während sich Hella schwesterlich um Walter kümmert, fasst der diese Zuneigung
als Verliebtheit auf und unterrichtet Hannes, der inzwischen seine Ablösung als
Wetterwart vorbereit hat und in einigen Wochen zu Hella ins Tal kommen möchte,
von einer baldigen Heirat. Als Hannes das Telegramm erhält, entschließt er
sich verbittert dazu, für immer in seiner Hütte am Montblanc zu bleiben. Bald
darauf erfriert sich Hannes die Hände, weil er seine Handschuhe während der
Arbeit verloren hat und ist in seiner Hütte während schwerster Unwetter
gefangen. Mit Mühe kann er Hella über den Morsefunk erreichen, die den Flieger
Udet um Hilfe bittet und selbst parallel dazu mit einigen Bergsteigern eine
Rettungsaktion startet. Schließlich wird Hannes von Udet gerettet, der ein wärmendes
Feuer in der Hütte entzündet, als auch Hella die Hütte erreicht und für
immer bei Hannes bleiben möchte.
„Stürme über
dem Montblanc“ besticht durch die - wie immer bei Fanck - expressiven
Landschafts- und Naturaufnahmen. Berüchtigt sind unter anderem die Szenen, bei
denen Leni Riefenstahl auf einer Leiter über einem Gletscherspalt balanciert,
sowie die akrobatischen Flugleistungen Ernst Udets. Rasante Schnitte während
der Fuchsjagd, beeindruckende und avantgardistische Wolkenaufnahmen und nicht
zuletzt eben die einmaligen Flugaufnahmen machen den Film zu einem nachhaltigen
Erlebnis. Die Spielszenen brechen jedoch ein wenig den Stil des Films, da sie häufig
sehr aufgesetzt und holprig wirken. Auch hier wird der Arnold Fanck häufig
unterbreitete Vorwurf, alles andere als ein Schauspieler-Regisseur gewesen zu
sein, der die Darsteller hätte führen können, sehr ersichtlich. Das
sentimentale Happy-End von „Stürme über dem Montblanc“ spricht für das
verzerrte Frauenbild des Regisseurs, das sich durch den Film zieht, denn
obgleich Leni Riefenstahls Figur einen modernen Frauentyp symbolisieren sollte,
wird sie doch zum „Heimchen am Herd“ bekehrt.
Nichts desto
trotz handelt es sich bei dem Film aus dem Jahre 1930 um ein beeidruckendes Werk
der Kinogeschichte, das auch heute nichts von seiner fantastischen Wirkung
verloren hat. Der Film war in der damaligen Zeit beim Publikum ein großer
Erfolg und erhielt größtenteils wohlwollende bis überschwängliche Kritik.
Der Spielfilm ist als Kaufvideo erhältlich.
(S.N.)

Derzeit in Europa in folgenden
Formaten erhältlich:
Werkaufnahmen zum Film in der
Galerie
II
Weitere Bilder im Filmprogramm:
IFK "Stürme
über dem Montblanc"
Zurück zur Filmografie