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Olympia
Fest der Völker
Fest der Schönheit

 

SW-Film,  Teil 1 ca. 115 Min.; Teil 2 ca. 89 Min.; 
Deutschland, 1938

Regie: Leni Riefenstahl

Kamera: Hans Ertl, Guzzi Lantschner, Walter Frentz u.a.

Musik: Herbert Windt, Walter Gronostay

Uraufführung am 20.04.1938 im UFA-Palast am Zoo, Berlin

 

Mit ihren beiden Filmen „Fest der Völker“ und „Fest der Schönheit“ zu den XI. Olympischen in Berlin 1936 hat Leni Riefenstahl den bis heute, und wahrscheinlich auch für alle Zeiten, bedeutendsten und beeindruckendsten Sport-Dokumentarfilm geschaffen. Er gilt seit seiner Uraufführung 1938 als Vorbild des sportdokumentarischen Films. Heute noch übt dieser Film immer wieder eine große Faszination aus und erzeugt trotz der lange zurückliegenden Ereignisse eine Spannung, die den Betrachter bei den Wettkämpfen, insbesondere der Leichtathletik- Wettbewerbe, erneut mitfiebern läßt. Besondere Berühmtheit erlangten die faszinierenden Szenen vom Turmspringen im Teil "Fest der Schönheit".

Es bedurfte zunächst einmal einer unglaublichen logistischen und technischen Leistung und Übersicht, alle wichtigen Ereignisse an vielen verschiedenen Örtlichkeiten, teilweise aus verschiedenen Kamerapositionen, auf Film zu bannen. Hierbei wurden nach vorausgegangenen Testaufnahmen, die bereits weit im Vorfeld der Olympischen Spiele erprobt worden waren, neue Kameratechniken sowie ungewöhnliche und innovative Kameraeinstellungen angewandt.

Hierbei konnte sich Leni Riefenstahl auf eine Vielzahl hochkarätiger Kameramänner stützen, beispielhaft seien hier nur Sepp Allgeier, Hans Ertl, Walter Frentz, Guzzi Lantschner und Willy Zielke genannt. Insgesamt stand Leni Riefenstahl ein Team von fast 150 Mitarbeitern zur Verfügung. Die Planung und Organisation erfolgte von einem Hauptquartier in Schloß Ruhwald.

Aus dieser Arbeit entstand ein gigantisches Material von 400.000 Metern Film! Man kann sicher kaum ermessen, welche Leistung es erforderte, sich hierüber einen Überblick zu verschaffen, die Ereignisse und Szenen zu ordnen, das beste Filmmaterial auszuwählen und schließlich künstlerisch und dramaturgisch einen dreieinhalb-stündigen Film zu schneiden, der zwei Jahre nach dem Ereignis das Publikum in die Kinos locken und faszinieren sollte. Dabei ordnete und schnitt Leni Riefenstahl die beiden Filme nahezu im Alleingang.

Doch es wäre zu kurz gegriffen, wollte man diese beiden Filme nur als Dokumentarfilme ansehen. Schon allein der von Willi Zielke mitgestaltete Prolog erhebt den Film weit über einen Dokumentarfilm hinaus zu einem filmischen Kunstwerk. Ausgehend vom antiken Athen mit den monumentalen Bauten und den klassischen Statuen erfolgt eine Überblendung vom antiken Athleten zum modernen Diskuswerfer. Wie Leni Riefenstahl den Übergang vom muskulösen Kugelstoßer in Überblendung zu den grazilen Tänzerinnen, von zwar pathetischer, aber passender Musik untermalt, gestaltet, das ist einfach atemberaubend schön! Der Weg des Fackelläufers mit dem olympischen Feuer ist stilisiert vom antiken Athen quer durch Europa zum gegenwärtigen Berlin dargestellt.

Im ersten Teil „Fest der Völker“ werden nach der Eröffnungsfeier mit dem Einmarsch der Athleten zunächst die Leichtathletik-Wettkämpfe gezeigt. Höhepunkte stellen hier sicher der 100m-Lauf der Männer mit dem Sieg von Jesse Owens, der Zehnkampf und insbesondere der Marathonlauf dar. In beispielhafter Art wird hier deutlich, daß Leni Riefenstahl, wie Rainer Rother überzeugend darlegte, Elemente des Dokumentarfilms mit Elementen des Spielfilms verbindet und damit eine besonders eindrucksvolle Dramaturgie erzielt.

Der zweite Teil „Fest der Schönheit“ zeigt nach den Bildern vom Olympischen Dorf und vom Morgentraining zunächst in erster Linie die Mannschaftssportarten, vom Boden- und Geräteturnen zur olympischen Regatta. Nach Beiträgen zum Fechten, Boxen und Modernen Fünfkampf folgt einer der Höhepunkte, der Zehnkampf mit dem Sieger Glenn Morris. Hockey, Fußball-Endspiel, Strassen-Radrennen, Military-Reiten und Rudern leiten zum abschließenden Höhepunkt des Films mit den berühmten Bildern vom Turmspringen, in der Leni Riefenstahl erneut mit innovativen Film- und Schnitt-Techniken bislang nicht gekannte Eindrücke schafft. Durch teilweise rückwärts laufend eingeschnittene Filmsequenzen und eine zunehmende Film-Geschwindigkeit und schnellere Abfolge der Filmschnitte steigert sich die Spannung und scheinen die Turmspringer wie in einem Ballett durch die Luft zu gleiten. Nach den Schwimmwettbewerben und Bildern von der Schlußfeier schließt der Film mit dem bekannten "Licht-Dom".

Den beiden Filmen besonderen Patriotismus und Hervorhebung deutscher Athleten und Leistungen vorzuwerfen erscheint mir völlig unzutreffend. Bei genauer Ansicht ist die Relation und Gewichtung ausländischer und deutscher Athleten durchaus ausgewogen. Gerade in den Höhepunkten des Films, 100 m-Lauf, Zehnkampf, Marathonlauf, werden ausführlich die amerikanischen und japanischen Sieger portraitiert, trotzdem werfen Kritiker dem Film eine faschistische Ästhetik vor. Man darf annehmen, daß ein vergleichbar großer amerikanischer Dokumentarfilm über die Olympischen Spiele 1996 in Atlanta wohl patriotischer ausgefallen wäre.

Es sei dahingestellt, inwiefern es Leni Riefenstahl bewußt geworden war, daß ihr Olympia-Film von den Machthabern zu Propagandazwecken instrumentalisiert wurde, um der Welt ein Bild des freiheitlichen, friedlichen und toleranten Deutschland und seiner Regierung zu vorzutäuschen. Es erscheint jedoch gut nachvollziehbar, daß sich Leni Riefenstahl bei der Fülle an Aufgaben organisatorischer und künstlerischer Natur wenig Gedanken machtpolitischer Art gemacht hatte, als sie ihren Film in möglichst perfekter Form fertigstellen wollte. Auf der anderen Seite ist es ohne Zweifel so, daß Leni Riefenstahl ihre besonderen Verbindungen benutzt hat, um bestimmte Privilegien, z.B. den Zugang zu optimalen Kamerapositionen, zu erreichen, beziehungsweise bei Widerständen auch zu erkämpfen.

Nach seiner Uraufführung im UFA-Palast am Zoo in Berlin im April 1938 erfreute sich der Film zu seiner Zeit größter Popularität und wurde zu einem beispiellosen Erfolg in ganz Europa. Er erhielt viele Auszeichnungen, darunter die Goldmedaille des Comité International Olympique 1939 und das Olympische Diplom beim Internationalen Filmfestival in Lausanne 1948.

 

 

Begleitend zum Film erschien das großformatige Buch „Schönheit im Olympischen Kampf“, in dem Standaufnahmen aus den beiden Filmen, sowie Werkaufnahmen gezeigt werden.

 

Die Filme Olympia „Fest der Völker“ und „Fest der Schönheit“ sind derzeit in Deutschland in der arte-Edition sowohl als VHS-Video, als auch als DVD erhältlich.
Im Taurus-Verlag ist ebenfalls eine VHS-Version erhältlich gewesen.

 

  • Video:
    arte-edition / arthaus
    Taurus Video-Kollektion

  • DVD:
    arte-edition / arthaus 

 

 

 

 

Film-Kapitel:

Fest der Völker

 

Fest der Schönheit

 

1     Stätte der Geburt 1     Morgentraining
2     Die ersten Athleten 2     Bodenturnen
3     Olympisches Feuer 3     An den Geräten
4     Einzug der Mannschaften 4     Olympiaregatta
5     Eröffnung der Spiele 5     Fechten und Boxen
6     Diskuswerfen 6     5-km Geländeritt
7     80-m Hürden 7     Schießen und Geländelauf
8     Hammerwerfen 8     Zehnkampf 1.-5. Übung
9     100-m Lauf 9     Zehnkampf 6.-10. Übung
10    Hochsprung der Frauen 10    Hockey
11    Kugelstoßen 11    Fußballendspiel
12    800-m Lauf 12    100-km Straßenrennen
13    Drei- und Weitsprung 13    Military
14    1500-m Lauf 14    Rudern
15    Hochsprung der Männer 15    Wassersportarten
16    110-m Hürden  
17    Speerwerfen  
18    10-km Lauf  
19    Stabhochsprung  
20    4 x 100-m Staffel  
21    4 x 400m Staffel  
22    Marathonlauf  
23    Endspurt  
24    Fahnenauszug  

 

 

Weitere Bilder in den Film-Programmen:

Illustrierter Filmkurier IFK Nr. 2792  Olympia -  Fest der Völker

Illustrierter Filmkurier IFK Nr. 2794  Olympia -  Fest der Schönheit

Illustrierte Filmbühne Nr. 4249  Olympia - Fest der Völker

Illustrierte Filmbühne Nr. 4250  Olympia - Fest der Schönheit

Das Programm von Heute Nr. 216  Olympia - Fest der Völker

Das Programm von Heute Nr. 228  Olympia - Fest der Schönheit

(Wiener) Illustrierter Filmkurier Nr. 1984 Olympia - Fest der Völker

(Wiener) Illustrierter Filmkurier Nr. 1992  Olympia - Fest der Schönheit

 

 

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