Tonfilm, s/w; 64 Minuten
Deutschland, 1933
Regie: Leni Riefenstahl
Kamera: Sepp Allgeier, Walter
Frentz, Franz Weihmayr, Richard Quaas, Paul Tesch
Musik: Herbert Windt
Uraufführung am 01.12.1933 im UFA-Palast am Zoo, Berlin
Im Sommer 1933 erhielt Leni
Riefenstahl von Adolf Hitler, den sie 1932 kurz vor ihrer Abreise zu den
Dreharbeiten von "SOS-Eisberg!" nach Grönland in Horumersiel bei
Wilhelmshaven persönlich kennen gelernt hatte, und der von ihren Filmen
"Der heilige Berg" (Regie Arnold Fanck) und "Das blaue
Licht" begeistert war, den Auftrag, den Reichsparteitag der NSDAP 1933
in Nürnberg filmisch zu dokumentieren. Die junge Regisseurin versuchte sich
diesem Auftrag zunächst zu entziehen, weil sie auf dem Gebiet des
Dokumentarfilms über keine Erfahrung verfügte und im eigentlichen auch
ihre Karriere als Schauspielerin und Regisseurin von eigenen
Projekten, z.B. "Penthesilea", weiter verfolgen wollte.
Letztlich wurde sie von Hitler doch soweit dazu gedrängt, daß sie sich
Ende August ohne ausreichende Vorbereitungszeit mit einem überstürzt
zusammengestellten Filmteam nach Nürnberg begab und mit den Filmaufnahmen
begann. Doch nicht nur filmisch-logistische Probleme erschwerten ihr und
ihrem Team die Arbeit. Altgediente, parteitreue Filmleute aus dem
Propaganda-Ministerium um dessen Chef der Film-Abteilung, Arnold Raether,
fühlten sich durch die von Hitler für dieses Projekt protegierte junge
Frau zurückgesetzt und benachteiligt. Leni Riefenstahl mußte sich gegen
Intrigen und wiederholte Behinderungen ihrer Arbeit durch Mitarbeiter des
Propaganda-Ministeriums durchsetzen, und letztlich gelangen ihr, auch
aufgrund der ungenügenden Vorbereitungszeit, nur mittelmäßige
Filmaufnahmen, die sie in ihren filmisch-künstlerischen Ansprüchen in
keiner Weise zufrieden stellten. Trotz aller Hindernisse schaffte es Leni
Riefenstahl jedoch, einen Film zusammenzustellen, der das bisher gewohnte
Niveau der Wochenschauen weit überragte, auch wenn sie selbst diesen ersten
Parteitags-Film nie als eigentlich eigenständige filmische Dokumentation
akzeptierte. Leni Riefenstahl sah "Der Sieg des Glaubens" immer
als rudimentäre, minderwertige Vorstufe ("unvollkommenes
Stückwerk") zu ihrem eigentlichen Parteitags-Film "Triumph
des Willens" an. Entgegen Leni Riefenstahls eigener qualitativer
Einschätzung wurde der Film bei der Uraufführung im Dezember 1933 von
Partei und Publikum frenetisch gefeiert. "Der Sieg des Glaubens"
wurde zu einem großen Erfolg und propagandistisch in allen Kinos des Landes
aufgeführt.
Obwohl in "Der Sieg des
Glaubens" bereits der typische Stil Leni Riefenstahls erkennbar wird,
zeigen sich doch im Vergleich zu "Triumph des Willens" aufgrund
der oben genannten Hindernisse häufig nicht optimale Kamerapositionen und
Einstellungen, eine teilweise unruhige Kameraführung und wenig
dramaturgisch-bildgestalterische Elemente, wie sie "Triumph des Willens
auszeichnen. Zudem wird in dem Film deutlich, daß Organisation und
"Choreographie" der Parteitags-Veranstaltungen und Aufmärsche
Mängel aufwiesen, die erst beim Parteitag im nächsten Jahr beseitigt und
vom Ablauf perfektioniert wurden. Darüber hinaus stellte Hitler in
"Der Sieg des Glaubens" noch nicht die zentrale charismatische
Figur dar, die er 1934 in "Triumph des Willens" verkörperte.
Da jedoch in "Der Sieg
des Glaubens" neben Hitler die Spitze der SA, insbesondere deren Chef
Ernst Röhm, gezeigt wurde, verschwand der Film nach dem sogenannten "Röhm-Putsch"
1934 in der Schublade. Es soll sogar die Anordnung Hitlers gegeben haben,
den Film und alle Kopien zu vernichten.
Von dem lange als verschollen
gegoltenen Film wurde erst 1986 eine Kopie wieder gefunden. Bis vor kurzem
war der
Film nur in wenigen Instituten zu wissenschaftlichen Zwecken einzusehen.

Seit kurzem ist der Film in
den USA von A & M Productions herausgegeben als Video oder DVD erhältlich:
http://store.yahoo.com/ihf/vicoffaitsie.html
Empfehlenswerte (deutschsprachige) Literatur:
Loiperdinger, Martin:
Rituale der Mobilmachung - Der Parteitagsfilm "Triumph des Willens" von Leni Riefenstahl
Leske und Budrich Verlag, Opladen 1987
Links zum Reichsparteitags-Gelände und Dokumentations-Center in Nürnberg:
http://www.museumsvielfalt.nuernberg.de/dokumentationszentrum/
http://www.museen.nuernberg.de/reichsparteitag/index_reichsparteitag.html
http://www.nuernberg.de/tourismus/rundgaenge/reichsparteitagsgelaende/


Eingang zum Dokumentationszentrum
Reichsparteitagsgelände an der NS-Kongresshalle in Nürnberg
mit der Ausstellung "Faszination und Gewalt"
auf 1300 Quadratmetern Fläche.
Geschichtlich Interessierten ist ein Besuch des Dokumentationszentrums sehr zu empfehlen. Aufgrund der Fülle der
Informationen kann man sicher einen halben Tag einplanen.

Kongresshalle (Ansicht von Südost) auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände.
Sie blieb im Bau unvollendet. Im Nordflügel der Bauruine wurde das Dokumentationszentrum
Reichsparteitagsgelände eingerichtet und im Jahr 2001 fertiggestellt.

Zeppelin-Tribüne auf dem ehemaligen
Reichsparteitagsgelände
Die Zeppelin-Tribüne auf dem Zeppelinfeld ist neben
der Kongresshalle das einzige, zumindest partiell erhalten gebliebene
Bauwerk auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Hier wurden, wie in
der 1959/1960 abgetragenen Luitpoldarena im
Luitpoldhain, die Massenaufmärsche und Kundgebungen der NS-Reichsparteitage
abgehalten.
Die Pfeilerreihen links und rechts der Haupttribüne wurden 1967 wegen
Baufälligkeit abgetragen.
(Fotos: Helmut Schmidt © 2003)