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Der Sieg des Glaubens

Der Film vom Reichsparteitag der NSDAP 1933

 

Dokumentar-Film über den 5. Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg
vom 30. August bis 03. September 1933.

Tonfilm, s/w; 64 Minuten
Deutschland, 1933

Regie: Leni Riefenstahl

Kamera: Sepp Allgeier, Walter Frentz, Franz Weihmayr, Richard Quaas, Paul Tesch

Musik: Herbert Windt

Uraufführung am 01.12.1933 im UFA-Palast am Zoo, Berlin

 

Im Sommer 1933 erhielt Leni Riefenstahl von Adolf Hitler, den sie 1932 kurz vor ihrer Abreise zu den Dreharbeiten von "SOS-Eisberg!" nach Grönland in Horumersiel bei Wilhelmshaven persönlich kennen gelernt hatte, und der von ihren Filmen "Der heilige Berg" (Regie Arnold Fanck) und "Das blaue Licht" begeistert war, den Auftrag, den Reichsparteitag der NSDAP 1933 in Nürnberg filmisch zu dokumentieren. Die junge Regisseurin versuchte sich diesem Auftrag zunächst zu entziehen, weil sie auf dem Gebiet des Dokumentarfilms über keine Erfahrung verfügte und im eigentlichen auch ihre Karriere als Schauspielerin und Regisseurin von eigenen Projekten,  z.B. "Penthesilea", weiter verfolgen wollte. Letztlich wurde sie von Hitler doch soweit dazu gedrängt, daß sie sich Ende August ohne ausreichende Vorbereitungszeit mit einem überstürzt zusammengestellten Filmteam nach Nürnberg begab und mit den Filmaufnahmen begann. Doch nicht nur filmisch-logistische Probleme erschwerten ihr und ihrem Team die Arbeit. Altgediente, parteitreue Filmleute aus dem Propaganda-Ministerium um dessen Chef der Film-Abteilung, Arnold Raether, fühlten sich durch die von Hitler für dieses Projekt protegierte junge Frau zurückgesetzt und benachteiligt. Leni Riefenstahl mußte sich gegen Intrigen und wiederholte Behinderungen ihrer Arbeit durch Mitarbeiter des Propaganda-Ministeriums durchsetzen, und letztlich gelangen ihr, auch aufgrund der ungenügenden Vorbereitungszeit, nur mittelmäßige Filmaufnahmen, die sie in ihren filmisch-künstlerischen Ansprüchen in keiner Weise zufrieden stellten. Trotz aller Hindernisse schaffte es Leni Riefenstahl jedoch, einen Film zusammenzustellen, der das bisher gewohnte Niveau der Wochenschauen weit überragte, auch wenn sie selbst diesen ersten Parteitags-Film nie als eigentlich eigenständige filmische Dokumentation akzeptierte. Leni Riefenstahl sah "Der Sieg des Glaubens" immer als rudimentäre, minderwertige Vorstufe ("unvollkommenes Stückwerk")  zu ihrem eigentlichen Parteitags-Film "Triumph des Willens" an. Entgegen Leni Riefenstahls eigener qualitativer Einschätzung wurde der Film bei der Uraufführung im Dezember 1933 von Partei und Publikum frenetisch gefeiert. "Der Sieg des Glaubens" wurde zu einem großen Erfolg und propagandistisch in allen Kinos des Landes aufgeführt.

Obwohl in "Der Sieg des Glaubens" bereits der typische Stil Leni Riefenstahls erkennbar wird, zeigen sich doch im Vergleich zu "Triumph des Willens" aufgrund der oben genannten Hindernisse häufig nicht optimale Kamerapositionen und Einstellungen, eine teilweise unruhige Kameraführung und wenig dramaturgisch-bildgestalterische Elemente, wie sie "Triumph des Willens auszeichnen. Zudem wird in dem Film deutlich, daß Organisation und "Choreographie" der Parteitags-Veranstaltungen und Aufmärsche Mängel aufwiesen, die erst beim Parteitag im nächsten Jahr beseitigt und vom Ablauf perfektioniert wurden. Darüber hinaus stellte Hitler in "Der Sieg des Glaubens" noch nicht die zentrale charismatische Figur dar, die er 1934 in "Triumph des Willens" verkörperte.

Da jedoch in "Der Sieg des Glaubens" neben Hitler die Spitze der SA, insbesondere deren Chef Ernst Röhm, gezeigt wurde, verschwand der Film nach dem sogenannten "Röhm-Putsch" 1934 in der Schublade. Es soll sogar die Anordnung Hitlers gegeben haben, den Film und alle Kopien zu vernichten.

Von dem lange als verschollen gegoltenen Film wurde erst 1986 eine Kopie wieder gefunden. Bis vor kurzem war der Film nur in wenigen Instituten zu wissenschaftlichen Zwecken einzusehen.

 

Seit kurzem ist der Film in den USA von A & M Productions herausgegeben als Video oder DVD erhältlich:

http://store.yahoo.com/ihf/vicoffaitsie.html

 

 

Empfehlenswerte (deutschsprachige) Literatur:

Loiperdinger, Martin:
Rituale der Mobilmachung - Der Parteitagsfilm "Triumph des Willens" von Leni Riefenstahl
Leske und Budrich Verlag, Opladen 1987

 

 

Links zum Reichsparteitags-Gelände und Dokumentations-Center in Nürnberg:

http://www.museumsvielfalt.nuernberg.de/dokumentationszentrum/

http://www.museen.nuernberg.de/reichsparteitag/index_reichsparteitag.html

http://www.nuernberg.de/tourismus/rundgaenge/reichsparteitagsgelaende/

 

 

 

Eingang zum Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände an der NS-Kongresshalle in Nürnberg
 mit der Ausstellung "Faszination und Gewalt" auf 1300 Quadratmetern Fläche.

 

Geschichtlich Interessierten ist ein Besuch des Dokumentationszentrums sehr zu empfehlen. Aufgrund der Fülle der Informationen kann man sicher einen halben Tag einplanen.

 

 

 

 

Kongresshalle (Ansicht von Südost) auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände.
Sie blieb im Bau unvollendet. Im Nordflügel der Bauruine wurde das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände eingerichtet und im Jahr 2001 fertiggestellt.

 

 

 

 

 

 

Zeppelin-Tribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände

 

Die Zeppelin-Tribüne auf dem Zeppelinfeld ist neben der Kongresshalle das einzige, zumindest partiell erhalten gebliebene Bauwerk auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Hier wurden, wie in der  1959/1960 abgetragenen Luitpoldarena im Luitpoldhain, die Massenaufmärsche und Kundgebungen der NS-Reichsparteitage abgehalten.
Die Pfeilerreihen links und rechts der Haupttribüne wurden 1967 wegen Baufälligkeit abgetragen.

(Fotos: Helmut Schmidt © 2003)

 

 

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