Zurück zur Link-Liste

Leni Riefenstahl  -  Ausstellung 2002 / 2003

Haus der Geschichte  -  Bonn / Germany
vom 13. Dezember 2002 bis 02. März 2003

 

Beschreibung und eigene Eindrücke

 

Man fühlt sich in dem etwa 15 x 5 Meter großen Ausstellungsareal im Foyer des Hauses der Geschichte in Bonn etwas in eine dunkle Ecke geschoben. Kleiner als angekündigt und erwartet wirkt die Ausstellung.

Umrahmt ist der Raum von dunkelblauen Vorhängen, rechts vorne ein Schild „Leni-Riefenstahl“ auf dunkelblau-stählernem Hintergrund. Im Hintergrund fällt hoch oben eine große Video-Leinwand ins Auge, auf der Filmsequenzen des Olympia-Prologs zu sehen sind.

Strukturiert ist die Ausstellung durch fünf auf der linken Seite befindliche Bildmonitore und fünf auf der rechten Seite schräg angeordnete Glasvitrinen.

Am Eingang links eine Schrifttafel, die die Ambivalenz des Riefenstahlschen Schaffens zwischen Kunst und politischen Verstrickungen anreißt. Rechts Bildbeispiele, die die Zukunftswirkung Riefenstahlscher Bildästhetik in der modernen Werbung zeigen. Eine kleine Tafel schildert kurz die entscheidenden biographischen Daten.

Die Bildmonitore zeigen in jeweils circa 5 Minuten langen, zusammengeschnittenen Filmsequenzen Ausschnitte aus den Filmen „Das blaue Licht“, „Triumph des Willens“, „Olympia“ unter dem Motto „Führer-Kult“ und „Olympia“ – „Körper-Kult“, sowie am letzten Bildmonitor Bilder der Nuba und Filmausschnitte aus „Impressionen unter Wasser“, dem neuesten Film von Leni Riefenstahl. Neben den Bildmonitoren hängen große Plakat-Repliken der entsprechenden Filmkuriere.

Der Film-Monitor „Triumph des Willens“ zeigt Teile der Reden von Hitler, Hess und Goebbels, sowie u.a. Szenen der Massenaufmärsche auf dem Reichsparteitags-Gelände in Nürnberg.

Beim ersten Olympia-Monitor ("Führerkult") dominieren inadäquat betont die, letztlich im fast vierstündigen Film seltenen, kurzen Szenen, die Adolf Hitler zeigen, sowie die Massenszenen des Einzugs der Athleten und Szenen der Eröffnungsfeier. (Anmerkung: insgesamt erscheint Hitler im ersten Teil des Olympia-Films ja nur in vier kurzen Szenen, im zweiten Teil des Olympia-Films überhaupt nicht). Beim zweiten Olympia-Monitor ("Körperkult") werden körperbetonte Filmszenen, insbesondere der Leichtathleten, gezeigt, aber auch kurze Sequenzen des Prologs.

Am letzten Bildmonitor kann man Standbilder der Nuba-Fotografien sehen, abschließend Anfang und einzelne Szenen des neuen Films „Impressionen unter Wasser.

In den Glasvitrinen finden sich chronologisch angeordnet Dokumente zur Karriere mit den verschiedenen Schaffensperioden von Leni Riefenstahl. Zwischen den Glasvitrinen befinden sich auf Pulten ausgelegte Ringordner mit DinA4-Blättern, auf denen themenspezifisch prägnante Äußerungen von Zeitzeugen, Kritikern und Leni Riefenstahl selbst zu lesen sind. In der ersten Glasvitrine sieht man Bilder und Dokumente von Leni Riefenstahl als Tänzerin und später als Schauspielerin in den Fanck-Filmen. Es folgt unter Anderem das Original-Drehbuch mit handschriftlichen Notizen zum ersten eigenen Film von Leni Riefenstahl, „Das blaue Licht“.
Nach Dokumenten zu den Parteitagsfilmen, u.a. einem Filmkurier zu „Der Sieg des Glaubens“, sowie dem Buch „Hinter den Kulissen des Reichsparteitag-Films" und dem Diplom zur Goldmedaille für den Film „Triumph des Willens“, finden sich Filmkuriere, Originaldokumente und Zeitungsberichte zu den Olympia-Filmen. In einer weiteren Vitrine sind eine Debrie-Kamera, eine 16 mm Wechselobjektiv-Handkamera und ein Lytax-Filmbetrachtungsgerät  ausgestellt. Dazwischen sind Dokumente, zum Teil im Original, zum Film „Tiefland“ und zu den Vorwürfen der Tiefland-Statisten zu sehen. Auch die Anklage des Vereins Rom e.V., sowie Leni Riefenstahls Unterlassungserklärung gegenüber Zäzilia Reinhardt sind ausgestellt. Zwischendurch und in der letzten Vitrine werden die Bücher  Leni Riefenstahls, „Kampf in  Schnee und Eis“, „Schönheit im olympischen Kampf“, die Memoiren, der erste Nuba-Bildband und „Wunder unter Wasser“ gezeigt.

Am Ende der Austellung befindet sich ein bedienbarer Bildmonitor mit kurzen Video-Dokumenten von Leni Riefenstahl, sowie von Zeitzeugen und Kritikern, die bekannte und prägnante Äußerungen zeigen. Daneben einige Plakate zur damaligen Rolle NS-konformer gegenüber "entarteter" Kunst und ein Monitor, an dem dazu Filmausschnitte aus dem NS-Propaganda-Film „Der ewige Jude“ von Fritz Hippler gezeigt werden.

Insgesamt ist es sicher zu begrüßen, dass sich eine so offizielle Einrichtung in Deutschland einmal mit der Problematik der Riefenstahl-Diskussion auseinandersetzt, aber es entsteht doch sehr der Eindruck einer zu kurz gefassten, selektierten Darstellung. Insbesondere die kurzen Filmausschnitte an den Bildmonitoren sind den Filmen nicht angemessen. Angesichts der Dauer der Ausstellung wäre es gerechtfertigt, komplette Filme, oder zumindest längere Ausschnitte zu zeigen. 
Beim Betrachten der Vitrinen stört, aufgrund der unmittelbaren Nähe der Bildmonitore, oft der Ton beziehungsweise die Musik der Filmsequenzen.
Daneben finden sich auch inhaltliche Fehler, die die ohnehin angeheizte Diskussion nicht objektivieren, wenn zum Beispiel mehrfach geschrieben wird, dass die Sinti und Roma als Tiefland-Statisten persönlich von Leni Riefenstahl aus KZ-Lagern abgeholt worden seien. Selbst in der Anzeige des Vereins Rom e.V. wird nicht von KZ-Lagern, sondern von NS-Lagern gesprochen. Und für eine persönliche Anwesenheit Leni Riefenstahls in den Lagern gibt es keinen Beleg.

Somit erscheint mir insgesamt, trotz gut intendierter Ansätze, der Anspruch einer objektiven und ausreichenden Darstellung von Leben, Werk und Stellenwert der Leni Riefenstahl nicht erreicht.

(Helmut Schmidt - Dezember 2002)

 

Zurück zur Link-Liste

 
 

 

Startseite

Einführung

Biografie

Filmografie

Bibliografie

Galerie

Zitate

Links & News

 

©The Exciting Life and Art of  Leni Riefenstahl
Copyright of Pictures by Leni Riefenstahl
Copyright of Contents and Web-Design
by Helmut Schmidt
© 2000 - 2009