The Exciting Life and Art of


                                                                                                                                                  Inoffizielle  deutsche  Leni  Riefenstahl - Homepage

Startseite

Einführung

Biografie

Filmografie

Bibliografie

Galerie

Zitate

Links & News


Biografie

Diese Biografie basiert überwiegend auf dem Memoiren-Buch von Leni Riefenstahl. Diese Grundlage ist sicher subjektiv und daher kritisch zu betrachten, sie erscheint uns aber zumindest als Orientierung und chronologische Leitlinie dieser (noch im Aufbau befindlichen) Biografie sehr wertvoll..

Unterkapitel (Textmarken):

1. Jugend und Tanz (1902-1924)
2. Schicksalsberge - Schicksalsfilme (1924-1932)
3. Tanz mit dem Teufel (1932-1945)
4. Nachkriegswirren
5. Afrika
6. Wunder unter Wasser
7.
8.Schlußbetrachtung

 

1. Jugend und Tanz (1902 - 1924)

1902, am 22. August, in Berlin, als Helene Amalia Bertha Riefenstahl geboren, wird Leni Riefenstahl Zeitzeugin eines ganzen Jahrhunderts mit vielen zeitgeschichtlichen und persönlichen Höhen und Tiefen.
In der von der Familie wohlbehüteten Jugend kommt die naturverbundene Leni bereits früh mit Sport, Theater und Tanz in Berührung, und schon hier sind die vielseitigen Interessen und Begabungen und der heimliche Wunsch, Tänzerin und Schauspielerin zu werden, erkennbar. Mit 16 Jahren findet Leni Riefenstahl ihre Liebe zum Tanz und besucht ohne Wissen des strengen Vaters, unterstützt durch die Mutter, Tanz- und Ballett-Stunden. Der Auftritt bei einem Schüler-Tanzabend der Tanzschule Grimm-Reiter führt 1919 über eine Konfrontation mit dem Vater zur Aufnahme für ein Jahr in ein Mädchen-Pensionat im Harz, um alle Schauspiel- und Tanz-Ambitionen zu unterbinden. Doch bereits in diesen jungen Jahren zeigen sich ihr ungeheuerer Wille und ihre Durchsetzungskraft, die schließlich auch den Vater einwilligen lassen, die Tanzausbildung fortzusetzen, sie sogar zu fördern. Nach intensiver Tanzausbildung in Berlin und Dresden (1921-1923) hat Leni Riefenstahl ihren ersten öffentlichen Solo-Tanzauftritt am 23. Oktober in München, dann vier Tage später in Berlin, wo sie auch den strengen Vater mit all ihrem Enthusiasmus überzeugt. Nach überwiegend wohlwollenden Kritiken rasch bekannt geworden folgen eine Fülle von Engagements und Auftritten, unter anderem im Deutschen Theater Berlin unter Max Reinhardt. Weitere Auftritte in Europa schließen sich an, und die bereits enge Beziehung zur Mutter, die sie auf den Reisen begleitet, vertieft sich. Doch bereits 1924 beendet eine Knieverletzung die Träume von einer weiteren Karriere als Tänzerin.

 

2. Schicksalsberge - Schicksalsfilme (1924 - 1932)

Der Zufall in Form eines Filmplakates, "Der Berg des Schicksals" des Freiburger Regisseurs Dr. Arnold Fanck, lenkt das Leben von Leni Riefenstahl in völlig andere Bahnen. Dieser Film mit seiner imposanten neuen Bildsprache von Naturschönheit, Naturgewalten und dem Kampf des Menschen beeindruckt die 22-jährige Leni Riefenstahl so stark, daß sie nun ihre ganze Energie und Leidenschaft daransetzt, diese für sie völlig neue Welt kennenzulernen. Nach einem Aufenthalt in den Dolomiten, der sie in ihrem Entschluß an Bergfilmen mitzuwirken bestärkt, gelingt es ihr, den Freiburger Regisseur Dr. Arnold Fanck in Berlin kennenzulernen. Aus dieser Begegnung entspringt diese so produktive und erfolgreiche Symbiose des Regisseurs Fanck mit seiner sich zur Alpinistin und Schauspielerin entwickelnden Hauptdarstellerin Leni Riefenstahl.
Eine Knieoperation, Unglücksfälle im Filmteam und Witterungsprobleme, die bei den nahezu ausschließlichen Außenaufnahmen der Fanck'schen Filme eine beträchtliche Rolle spielen, gefährden und verzögern die Fertigstellung des ersten Projektes - "Der heilige Berg" -, von Fanck für Leni Riefenstahl als Hauptdarstellerin und Tänzerin "Diotima" geschrieben. Bereits hier sammelt Leni Riefenstahl erste Regie-, Bildschnitt- und Produktionserfahrung. Der Film wird ein großer Erfolg, doch die letztliche Entscheidung zwischen Film- und Tanzkarriere, durch zwischenzeitliches Training und Auftritte als Tänzerin wieder aufgeflammt, fällt Leni Riefenstahl im Innersten sehr schwer.
Nach der Entscheidung für den Film folgen unter der Regie von Fanck, neben "Der große Sprung", die Klassiker des deutschen Bergfilms "Die weiße Hölle vom Piz Palü" und "Stürme über dem Montblanc", sowie "Der weiße Rausch" und zuletzt "SOS Eisberg!".
Aber durch die Zusammenarbeit mit Fanck ist die Schauspielerkarriere von Leni Riefenstahl auch auf das Bergfilm-Genre begrenzt. Andere erfolgreiche Engagements bleiben aus und Visionen und Produktivität von Leni Riefenstahl werden durch die langen Film-Produktionszeiten mit ihren teilweise strapaziösen und gefährlichen Drehbedingungen nicht befriedigend ausgefüllt. Zudem stürzt sie - nach den vorausgegangenen unglücklichen Liäsionen zu dem Tennisspieler Otto Froitzheim und dem Schauspielerkollegen Luis Trenker, neben erfolglosen Annäherungsversuchen des Bankiers und späteren Produzenten Harry Sokal sowie von Fanck - die Beendigung einer langjährigen, harmonischen Beziehung zu dem Kameramann Hans Schneeberger in ein großes seelisches Tief. Eine Zeit, die sie selbst als eine der Schlimmsten ihres Lebens bezeichnet. Die freundschaftliche Bekanntschaft mit dem Regisseur Josef von Sternberg hilft ihr über diese Phase hinweg.

Aufgrund der zunehmenden Unzufriedenheit mit ihren Filmrollen verlagert sich ihr Interesse auch auf Kameraführung, Filmschnitt und Regie, und sie beginnt 1931 die Konzeption eines eigenen Filmprojekts, das ihr weiteres Leben entscheidend beeinflussen wird: "Das blaue Licht". Finanzielle Engpässe zwingen sie dazu, neben der Hauptrolle die Erstellung des Drehbuchs (zusammen mit Béla Balázs), Produktionsleitung und Regie selbst zu übernehmen. Doch gerade hieraus ergibt sich die einmalige Chance, im kleinen Team einen an ihren künstlerischen Vorstellungen und Maßstäben orientierten Film weitgehend unabhängig von äußeren Zwängen und Beeinflussungen zu erschaffen; Bedingungen, wie sie ihr bei keinem weiteren Filmprojekt - trotz größerer finanzieller Mittel - mehr zur Verfügung standen. Für "Das blaue Licht" gründet sie 1931 ihre eigene Filmgesellschaft, die L.R. Studio-Film GmbH. Auch in der Realisierung dieses Filmprojektes kommt wieder Leni Riefenstahls ungeheuere Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit zum Ausdruck. Nach wochenlanger, von ihr selbst durchgeführter Schneidearbeit erlebt die Uraufführung des "Blauen Lichts" am 24. März 1932 in Berlin einen sensationellen Erfolg, und der Film wird auf der Biennale in Venedig mit der Silbermedaille ausgezeichnet. Sie selbst sieht später in der "Junta", der Hauptrolle im "Blauen Licht", ihr späteres Schicksal vorgezeichnet.

 

3. Tanz mit dem Teufel (1932-1945)

Anfang 1932 hört Leni Riefenstahl erstmals von Adolf Hitler, besucht aus naivem Interesse eine Parteiveranstaltung der N.S.D.A.P. im Berliner Sportpalast und ist von der Ausstrahlung Hitlers auf die Massen fasziniert. Der Auftritt Hitlers läßt in ihr den Wunsch einer persönlichen Begegnung aufkommen, um zu versuchen, sich selbst ein Bild von diesem Mann zu verschaffen. Wider Erwarten erreicht sie durch einen persönlichen Brief an Hitler ein Zusammentreffen mit ihm unmittelbar vor ihrer Abreise zu den langen Dreharbeiten für "SOS Eisberg!" nach Grönland, ihrem letzten Film mit Arnold Fanck. Bei diesem Treffen in Horumersiel bei Wilhelmshaven lernt sie Hitler, einen Bewunderer ihrer Filme "Der heilige Berg" und "Das blaue Licht", in seiner Diskrepanz von Privatmann und fanatischem Politiker, wie sie ihn im Sportpalast erstmals gesehen hat, kennen. Schon zu diesem Zeitpunkt wird sie erstmals mit Hitlers Wunsch, Filme für seine Partei zu drehen, konfrontiert. Ein Filmangebot des Vatikans hatte sie erst kurze Zeit zuvor abgelehnt, um frei zu sein für eigene Filmprojekte.

Am 24. Mai 1932 verläßt Leni Riefenstahl Deutschland Richtung Grönland zu den Dreharbeiten für den Film "SOS Eisberg!". Mehrere Monate wird das Filmteam in Zelten untergebracht in der Nähe von Umanak verbringen. Schwierige und gefährliche Bedingungen gefährden und verzögern die Dreharbeiten auf den tückischen Eisbergen. Aufgrund einer Erkrankung muß Leni Riefenstahl nach den wichtigsten Aufnahmen Grönland bereits vorzeitig Anfang September verlassen.
Kurz nach ihrer Rückkehr trifft sie in Berlin erneut mit Adolf Hitler zusammen, um über Ihre Grönland-Erlebnisse zu berichten. Durch mehrere Treffen mit Hitler und die zunehmenden Nachstellungen Joseph Goebbels' sieht sich Leni Riefenstahl zunehmend in politische Dinge hineingezogen und fühlt sich im Januar 1933 durch einen Aufenthalt in den Alpen, vor den in der Schweiz geplanten weiteren Filmaufnahmen zu "SOS Eisberg", erleichtert und befreit.

Ihr erstes Buch "Kampf in Schnee und Eis", worin sie die Erlebnisse ihrer bisherigen Film- und Schauspieler-Tätigkeit schildert, erscheint 1933 reich bebildert bei Hesse & Becker in Leipzig.
Die Nachricht von der Ernennung Hitlers am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler erhält sie in Davos. Anfang Februar 1933 beginnen die abschließenden Filmaufnahmen zu "SOS Eisberg" im Bernina-Gebiet und dauern bis Juni in den Berner Alpen an. worin sie die Erlebnisse ihrer bisherigen Film- und Schauspieler-Tätigkeit schildert, erscheint 1933 reich bebildert bei Hesse & Becker in Leipzig.
Die Nachricht von der Ernennung Hitlers am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler erhält sie in Davos. Anfang Februar 1933 beginnen die abschließenden Filmaufnahmen zu "SOS Eisberg" im Bernina-Gebiet und dauern bis Juni in den Berner Alpen an.

Nach ihrer Rückkehr nach Berlin arbeitet sie an dem neuen Projekt "Mademoiselle Docteur" und lehnt zunächst erneute Filmaufträge Hitlers ab. Doch der persönliche Druck Hitlers, schon kurzfristig einen Film über den 5. Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg (30. August bis 3. September 1933) zu drehen wird immer stärker und nachdem ihr eigenes Projekt von ministerieller Seite gestoppt wurde, begibt sie sich schließlich für die Filmarbeiten nach Nürnberg. Kurz zuvor am 23. August 1933 ist sie von der Hauptabteilung Film des Reichspropagandaministeriums als "künstlerische Leiterin" unter der Oberaufsicht des Leiters der Abteilung Film, Arnold Raether, eingesetzt worden. Über die ihr zur Verfügung stehende Vorbereitungszeit existieren heute widersprüchliche Angaben. In Nürnberg sieht sie sich dann dem Boykott der Mitarbeiter der Filmabteilung ausgesetzt, die in ihr nur eine unbequeme Konkurrentin befürchten. Unter Zeitdruck ist sie gezwungen, sich in eigener Regie ohne offizielle Unterstützung ein improvisiertes kleines Team zusammenzustellen. Infolge der erschwerten Bedingungen entsteht ein fragmentarisches Werk, das Leni Riefenstahls filmkünstlerisch - qualitativen Ansprüchen in keinster Weise entspricht. Es zeigt jedoch in einigen Details bereits "stilistisch-kompositorische" Merkmale, die zum Vorbild für "Triumph des Willens" dienen. Die Uraufführung von "Sieg des Glaubens" findet am 1. Dezember 1933 in Berlin unter Beifall von Hitler und den Parteifunktionären statt und wird von offizieller Seite als herausragendes Werk gerühmt.

Nach dem Scheitern von "Mademoiselle Docteur" plant Leni Riefenstahl ihr größtes Wunschprojekt: Penthesilea, die Amazonenkönigin, nach einem Drama von Heinrich von Kleist. Doch aus finanziellen Gründen muß sie sich für Regie und Hauptrolle in dem ihr von der Terra-Film angebotenen Film "Tiefland", nach einer Oper von Eugene d'Albert entscheiden, auch in der Absicht, weiteren Parteiaufträgen auszuweichen. Für die von ihr bereits erwartete Planung und Herstellung des nächsten Parteitagfilms 1934 versucht sie den Regisseur Walter Ruttmann zu verpflichten.
Das Tiefland-Projekt muß jedoch aufgrund von der Produktionsfirma verschuldeter Desorganisation und Verzögerungen, sowie letztendlich einer Erkrankung von Leni Riefenstahl in Spanien noch in der Vorbereitungsphase abgebrochen werden.

Aufgrund des inhaltlich und filmisch unbrauchbaren Materials der bisherigen Dreharbeiten Ruttmanns - nach dessen Idee es sich um eine Dokumentation des Aufstiegs und der Entwicklung der NSDAP, ergänzt durch Filmaufnahmen vom Parteitag 1934, handeln soll - entschließt sich Leni Riefenstahl entgegen der ursprünglichen Konzeption, nur Material vom Reichsparteitag zu verwenden und auf erneutes Drängen von Hitler den Film doch selbst herzustellen.
Weit besser vorbereitet und ausgestattet - das Team besteht diesmal aus 170 Mitarbeitern ! - können die Dreharbeiten zu "Triumph des Willens" durchgeführt werden. Doch auch 1934 gibt es Behinderungen der Filmarbeiten durch die SA. Weitere Probleme ergeben sich aus dem Entschluß Leni Riefenstahls, die Aufnahmen von der erstmals am Reichsparteitag teilnehmenden Wehrmacht aus qualitativen Gründen nicht in den Film aufzunehmen. Nach Differenzen mit Wehrmachtsgenerälen und Hitler setzt sie sich jedoch mit ihrem Vorschlag durch, zum Ausgleich beim nächsten Reichsparteitag 1935 einen eigenständigen Kurzfilm über die Wehrmacht zu erstellen. Der Film "Tag der Freiheit" stimmt die Wehrmachtsgeneräle wieder versöhnlich.
Die zeitaufwendigen Schneidearbeiten und die Tonsynchronisation werden von Leni Riefenstahl unter zunehmendem Zeitdruck in einer erschöpfenden Energieleistung ausgeführt, um den geplanten Uraufführungstermin am 28. März 1935 einhalten zu können. "Triumph des Willens" wird schließlich bei der Premiere mit großer Begeisterung aufgenommen und in der Folge 1935 mit dem nationalen Filmpreis und auf der Biennale in Venedig mit der Goldmedaille für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet. 1937 erhält der Film auf der Weltausstellung in Paris eine Goldmedaille. Mit "Triumph des Willens" ist Leni Riefenstahl ihr bisher größter Erfolg gelungen, der ihr ein Höchstmaß an Popularität verschafft, ihr nach 1945 aber auch zum Verhängnis wird.

Nach einer Phase der Erholung wird vom IOC und vom Organisationskomitee der XI. Olympischen Spiele der Wunsch an Leni Riefenstahl herangetragen, die Olympischen Wettkämpfe 1936 in Berlin in einem Dokumentarfilm festzuhalten. Nach erster Ablehnung, erneut einen Dokumentarfilm zu drehen und weiterer Bedenkzeit, in der sie sich mit der formalen Problematik, ein solches Großereignis zu dokumentieren, auseinandersetzt, wird Leni Riefenstahl zunehmend von der Herausforderung dieses Filmprojekts gefangengenommen. Entgegen der Ratschläge von Arnold Fanck und trotz vieler ungelöster Fragen und Selbstzweifel nimmt sie schließlich den Auftrag an. Nach der nicht ganz einfachen Klärung der Finanzierung des teuren Filmprojekts beginnt weit im Vorfeld eine minutiöse und detaillierte Planung mit Probeaufnahmen bei anderen Sportveranstaltungen, um Einstellungen und Filmmaterial zu testen. Langwierig gestalten sich auch die Verhandlungen mit den Sportfunktionären um die Kamerapositionen in den Stadien. Teile der Aufnahmen des Prologs mit dem Fackellauf werden an den Originalschauplätzen in Griechenland nachgestellt, andere Sequenzen von Willy Zielke nach Ende der Olympischen Spiele an der Ostsee gefilmt.
Ein umfangreiches Team von Mitarbeitern wird generalstabsmäßig von einer eigens nahe den Sportstätten eingerichteten "Einsatzzentrale" für die jeweiligen Aufgaben eingeteilt und eingewiesen. Bisher nie gesehene Kameraeinstellungen werden allerdings auch nur durch Einbindung von Aufnahmen aus dem Training der Athleten (zum Beispiel Schwimmer, Ruderer, Marathon) möglich. Die Entscheidung im Stabhochsprung muß sogar wegen der bei später Stunde unzureichenden Lichtverhältnisse am nächsten Tag nachgestellt werden, was nur durch Glück und Leni Riefenstahls Überredungskünste ermöglicht wird. Kurioserweise werden fehlende Filmsequenzen vom 1500m Finale des Zehnkampfs mit einzelnen Athleten noch nach Beendigung der Olympischen Spiele nachgestellt und gedreht.
Trotz Problemen mit Kampfrichtern wegen Kamerapositionen und erneuten heftigen persönlichen Auseinandersetzungen mit Joseph Goebbels gelingt Leni Riefenstahl wie bereits bei "Triumph des Willens" eine neue Form des Dokumentarfilms, eine Art kompositorische Dokumentation mit formalen Elementen des Spielfilms, die einen ganz besonderen Eindruck hinterläßt.
Aus einem riesigen Filmmaterial-Fundus von über 400000 Metern Film werden schließlich in über eineinhalb Jahre langer Sichtungs-, Archivierungs- und Schneidearbeit die beiden Teile des Olympia-Films, "Fest der Völker" und "Fest der Schönheit", fertiggestellt.
Die Uraufführung findet am 20. April (!) 1938 in Berlin statt.

Mit "Olympia" hat Leni Riefenstahl den wohl erfolgreichsten Film in ihrer Karriere geschaffen, er wird von Kritikern wie dem Publikum gefeiert und die Regisseurin wird infolgedessen mit dem deutschen Filmpreis 1938 geehrt.
Nach der Welturaufführung und dem Erfolg in Deutschland, beschließt Leni Riefenstahl mit ihren Olympia-Filmen auf Europa-Tournee zu gehen, sie reist nach Wien, Graz, Paris, Brüssel, Kopenhagen, Stockholm, Helsinki, Oslo, Venedig, Rom und Bukarest, wo "Fest der Völker" und "Fest der Schönheit" fast ausnahmslos mit überschwenglichem Lob aufgenommen werden.
Nach den anstrengenden Premierenreisen erhält Leni Riefenstahl eine Einladung zur Biennale in Venedig, wo "Olympia" neben Hauptkonkurrenten wie "Schneewittchen" von Walt Disney oder "Quai de Brumes" von Marcel Carné zu den nominierten Filmen zählt. Schließlich erhält Leni Riefenstahl vor den genannten Filmen den "goldenen Löwen" für "Olympia" als bestem Film.

Im November 1938 reist Leni Riefenstahl begleitet von dem Journalisten Ernst Jäger nach Amerika, wo sie eine Verleihfirma für die Olympia-Filme zu finden versucht und Kontakte in Hollywood knüpfen möchte. Bei der Ankunft im Hafen New Yorks wird sie von amerikanischen Journalisten mit Fragen bestürmt, die eine Stellungnahme zu den Ereignissen in Deutschland von ihr erwarten. In der Nacht vom 9. zum 10. November ereignete sich die "Kristallnacht", bei der zahlreiche Synagogen, jüdische Gebetshäuser, Friedhöfe, Wohn- und Geschäftshäuser zerstört und ca. 30.000 Menschen verhaftet worden waren. Leni Riefenstahl, die während der Schiffsreise nichts vom dem Geschehen in Deutschland hatte erfahren können, ist ahnungslos und derart erschüttert, daß sie den Journalisten zunächst keinen Glauben schenkt. Obwohl sie die Bekanntschaft mit Walt Disney macht und die Regisseure King Vidor und Henry Ford kennen lernt, wird ihr Amerika-Aufenthalt zu einem Misserfolg. Die Anti-Nazi-Liga verhindert aufgrund der Geschehnisse in Deutschland eine Aufführung der Olympia-Filme in Amerika und boykottiert die Regisseurin. Trotz dieses Protestes gelingt es ihr dennoch, einen Vertrag über die Verleihrechte der Olympia-Filme mit einer englischen Firma, der British Gaumont, abzuschließen.

Im Januar 1939 hält Leni Riefenstahl in Paris an der "Academie Francaise" vor mehr als 2000 Personen den Vortrag "Ist Film Kunst?"

Kurze Zeit danach gründet Leni Riefenstahl die "Leni Riefenstahl Film GmbH" und nimmt das nächste Filmprojekt in Angriff, "Penthesilea". Bei der Reichsfilmkammer wird "Penthesilea" unter Nr. 1087 ins Titelregister eingetragen, Leni Riefenstahl beginnt mit den Vorarbeiten für den Film. Sie verfasst das Drehbuch nach der Vorlage von Heinrich von Kleist, nimmt Sprechunterricht und lernt Reiten ohne Sattel, da sie selbst die Hauptrolle übernehmen möchte. Die renommierten Theaterschauspielerinnen Elisabeth Flickenschildt und Maria Koppenhöfer werden für die Rollen der Priesterinnen verpflichtet. Zudem gewinnt sie den berüchtigten Theaterregisseur Jürgen Fehling, der unter Gustaf Gründgens am Preußischen Staatstheater in Berlin arbeitet, für die Co-Regie. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 scheitert das Filmprojekt schließlich und wird später aufgrund der hohen Kosten und der Vorrangigkeit kriegswichtiger Filme nicht wieder aufgegriffen.

Nur wenige Tage nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bietet sich Leni Riefenstahl mit einigen ihrer Mitarbeiter der Wehrmacht als Kriegsberichterstatterin an, und reist nach Genehmigung des Vorhabens mit ihren Filmtrupp nach Konskie in Polen, um dort Wochenschauaufnahmen herzustellen. Am zweiten Tag ihrer Ankunft in Konskie erlebt Leni Riefenstahl ein Wehrmachtsverbrechen bei dem bei der Beerdigung deutscher Soldaten, die einen Tag zuvor von polnischen Partisanen getötet worden waren, polnische Zivilisten von deutschen Soldaten willkürlich erschossen werden. Fotos von diesem Massaker dokumentieren Entsetzen und einen Ohnmachtsanfall Leni Riefenstahls. Schockiert von dem Vorfall legt Leni Riefenstahl ihre Tätigkeit als Kriegsberichterstatterin umgehend nieder und beschwert sich beim zuständigen General über den Vorfall.

Zurück in Berlin erfährt Leni Riefenstahl, dass die Filmproduktionsgesellschaft Tobis das Projekt "Tiefland" erneut zu verfilmen bereit ist, welches 1934 bereits gescheitert war. Wieder entschließt sich Leni Riefenstahl dazu, den Film zu realisieren, auch um sich weiteren Aufträgen Hitlers und Speers, Kriegs- oder Werbefilme zu produzieren, zu entziehen und verfasst zusammen mit Harald Reinl, der ihr noch aus der Filmzeit mit Fanck bekannt ist und nun von ihr als Regieassistent eingearbeitet wird, innerhalb sechs Wochen das Drehbuch zu "Tiefland". Da sie selbst lediglich die Regie übernehmen möchte, wünscht sie sich Brigitte Horney oder Hilde Krahl für die weibliche Hauptrolle des Films, doch keine der beiden Schauspielerinnen steht zur Verfügung, und so entschließt sich Leni Riefenstahl letztlich dazu, die Rolle der "Martha" selbst zu übernehmen. Bernhard Minetti, einer der renommiertesten Theaterschauspieler Deutschlands, der auch dem Ensemble Gustaf Gründgens' am Preußischen Staatstheater angehört, übernimmt die Rolle des spanischen Großgrundbesitzers Don Sebastian, Maria Koppenhöfer und Aribert Wäscher werden für die Nebenrollen der "Donna Amelia" und des "Camillo" verpflichtet. Für die einzig noch nicht besetzte Rolle, die des Schafshirten Pedro, entdeckt die Regisseurin zufällig bei einem Aufenthalt in St. Anton am Arlberg den Laien Franz Eichberger, der an dem alljährlichen Kandahar-Rennen teilnimmt und für sie die vollkommene Verkörperung dieser Rolle symbolisiert. Aufgrund seines starken Dialekts und Bedenken des Tobis besteht Leni Riefenstahl auf Sprachunterricht, um Eichberger schließlich ebenfalls zu engagieren.

 

 

Fortsetzung in Vorbereitung

 

 

8. Schlußbetrachtung

Ein so langes und an Ereignissen so reiches Leben ist außergewöhnlich. Leni Riefenstahl hat für den Film und die Fotografie viel bewirkt und hätte vermutlich noch viel mehr bewirken können. In ihrer facettenreichen Karriere als Tänzerin, Schauspielerin, Filmemacherin und Fotografin ist sicher der Abschnitt als Regisseurin der, der ihr am meisten Popularität und Ruhm verschafft hat. Tragisch ist dabei, daß die Filme, die ihren großen Erfolg als Regisseurin begründeten, letztlich ihr auch zum Verhängnis wurden und ihre weitere Karriere als Filmregisseurin zerstörten.
Sicher hat Leni Riefenstahl vom NS-Regime durch ihre Arbeiten profitiert. Aber bei aller Kritik an Mitläufertum und naiver (?) Unterstützung der NS-Propaganda, welche Schuld hat Leni Riefenstahl auf sich geladen, daß sie lebenslang  - vor allem in Deutschland -  so isoliert und boykottiert wurde, sodaß ihr die Verwirklichung weiterer Filmprojekte unmöglich gemacht wurde? Wie läßt sich der Einfluß von "Triumph des Willens" und seine Auswirkung auf die Geschichte, und damit die Mitschuld von Leni Riefenstahl an den Verbrechen der NS-Zeit messen und beurteilen?
Vielleicht sollte man die Frage einmal anders herum stellen: Was wäre verhindert worden oder ausgeblieben, hätte Leni Riefenstahl diesen Film nicht gedreht? Wäre der Geschichtsverlauf in andere Bahnen geraten? Angesichts der Macht, des Einflusses und der Propaganda-Fähigkeiten eines Joseph Goebbels ist dies wohl zu bezweifeln!
Die Auseinandersetzung mit Leni Riefenstahl und ihrem Werk, die seit Beginn der neunziger Jahre auch in Deutschland zunehmend stattfindet - erkennbar an mehreren gut besuchten, aber auch scharf kritisierten Ausstellungen - ist noch geprägt von einer deutlichen Polarisierung. Hier stehen sich meist der Standpunkt einer grundsätzlichen Ablehnung und der einer verklärten Bewunderung gegenüber. Es ist zu hoffen, daß hier im Lauf der Zeit ein objektiver Ausgleich stattfindet, und Leni Riefenstahl eine ihrem Leben und Werk adäquate Beurteilung und Wertschätzung, befreit von ideologischen Vorstellungen, erfährt.
(H.S. & S.N.)

----------

Zurück zum Seitenanfang

 

 

 

Startseite

Einführung

Biografie

Filmografie

Bibliografie

Galerie

Zitate

Links & News

 

©The Exciting Life and Art of  Leni Riefenstahl
Copyright of Pictures by Leni Riefenstahl
Copyright of Contents and Web-Design
by Helmut Schmidt
© 2000 - 2009