Am 21.
September 1924 wird Hermann Buhl
in Innsbruck
als jüngstes von vier Geschwistern geboren. Nach dem Tod
der Mutter verbringt Hermann die nächsten Jahre im
Waisenhaus. In den 30er Jahren unternimmt der als schwächlich
und sensibel geltende Junge die ersten Touren in den
Tuxer Alpen und im Karwendel. 1939 tritt er der
Jungmannschaft der Sektion Innsbruck des DAV bei,
steigert rasch Können und Leistungsfähigkeit und bewältigt
bald schwierigste Kletterrouten bis zum VI. Grad.
Nach Abschluß der Hauptschule beginnt Hermann Buhl eine
Lehre zum Speditionskaufmann. 1943 durchläuft er eine
Ausbildung zum Sanitätssoldaten und erlebt den Krieg als
Gebirgsjäger in Italien, unter anderem am Monte Cassino.
Nach amerikanischer Gefangenschaft kehrt Hermann Buhl
nach Innsbruck zurück und bestreitet seinen
Lebensunterhalt mangels Berufspraxis mit Gelegenheitstätigkeiten.
Ende der vierziger Jahre schließt er seine Ausbildung
als Bergführer ab.
In den folgenden
Jahren bewältigt Hermann Buhl trotz finanziell
geringster Mittel mit verschiedenen Kletter-Partnern, u.a. Luis Vigl,
Kuno Rainer, Martin Schließler,
Marcus Schmuck, schwierigste Touren in den Ost- und
Westalpen, teilweise als Erstbegehungen. Zu nennen sind
hier besonders die Erstbegehung der Westwand der
Maukspitze im Wilden Kaiser 1943, die erste
Winterbegehung der Marmolada-Südwestwand 1950, die erste
Gesamtüberschreitung der Aiguilles von Chamonix 1950,
die erste Alleinbegehung der Nordostwand des Piz Badile
1952, die 8. Durchsteigung der Eiger-Nordwand bei
widrigsten Bedingungen 1952 und der Tofana Südost-Pfeiler
1952.
Im März 1951 heiratet Hermann Buhl Eugenie ('Generl') Högerle aus Ramsau/Berchtesgaden,
und Hermann wird in den nächsten Jahren Vater von drei Töchtern.
Aus finanziellen Engpässen seiner Tätigkeit als Bergführer
befreit ihn 1952 die Anstellung beim Sporthaus Schuster
in München als Bergsportartikel-Verkäufer und Ausrüstungsberater.
Ende 1952 wird Hermann Buhl von Dr.
Karl M. Herrligkoffer zur deutsch-österreichischen Willy-Merkl-Gedächtnisexpedition zum Nanga
Parbat eingeladen. Als 'Training' bewältigt er
im Februar 1953 im nächtlichen Alleingang die Watzmann-Ostwand
(Berchtesgadener Alpen) über den schwierigen Salzburger
Weg. Der Erfolg dieser unter organisatorischen Mängeln
leidenden Nanga-Parbat Expedition ist schließlich nur
der Initiative der im Hochlager IV befindlichen
Spitzengruppe aus Hans Ertl, Walter
Frauenberger und Hermann Buhl zu verdanken, die
einen Wetterumschwung entgegen einer Anweisung des
bergsteigerischen Leiters Peter Aschenbrenner
aus dem Basislager zum Gipfelvorstoß nutzt. Hermann Buhl
krönt mit seinem legendären 41-stündigen Alleingang
vom Lager V in 6950 m Höhe zum Gipfel des Nanga
Parbat, 8125 m, den er als erster Mensch nach
vielen gescheiterten Expeditionen am Abend des 3.
Juli 1953 erreicht, seine bersteigerische
Laufbahn. Seine Schilderung des strapaziösen Gipfelgangs
gehört zu den Klassikern der alpinen Literatur. Dieser
phänomenale Alleingang zum Nanga Parbat-Gipfel ist und
bleibt, wenn man Zeit und Ausrüstung berücksichtigt, die
singuläre und nie mehr erreichbare bergsteigerische
Leistung. Vergleichbar erscheint allenfalls Reinhold
Messners Nanga Parbat-Alleingang vom Basislager bis zum
Gipfel im Jahr 1978. Zurück in der Heimat erlebt Hermann Buhl
die Schatten des Ruhms seines einsamen Gipfelerfolges.
Durch Neid, Mißgunst und Streit mit dem Leiter der
Expedition sieht er sich als schwieriger Außenseiter
dargestellt und isoliert. Aber Hermann Buhl setzt sich
durch, feiert Erfolge mit Vorträgen in ganz Europa und
wird in Österreich zum Sportler des Jahres gewählt.
Sein Buch '8000 - drüber und drunter',
von Kurt Maix (freizügig) redigiert,
erscheint 1954 und entwickelt sich zum Klassiker der
alpinen Literatur.
Seine weitere bergsteigerische Karriere wird zunächst
durch die am Nanga Parbat erlittenen Erfrierungen am
rechten Fuß mit Zehenamputationen behindert. In den
Jahren 1954 bis 1956 unternimmt Hermann
Buhl aber wieder schwierigste Touren, zunehmend im
Alleingang, in den heimischen Bergen, den Dolomiten sowie
im Montblanc-Gebiet.
1957 plant er mit Marcus Schmuck, Fritz Wintersteller und
Kurt
Diemberger seine zweite Himalaya- Expedition,
diesmal zum Broad Peak im Karakorum.
Zukunftsweisend und ihrer Zeit weit voraus ist die Durchführung
mit kleinem Team im Westalpenstil vom Basislager zum
Gipfel ohne Hochträger. Am 9. Juni 1957
erreichen alle Expeditionsteilnehmer den Gipfel des Broad
Peak (8047 m) ohne künstlichen Sauerstoff.
Wieder zurück im Basislager versuchen Kurt Diemberger
und Hermann Buhl einen Besteigungsversuch der Chogolisa
(7654 m) über den Südostgrat.
Ein Schneesturm zwingt sie jedoch in 7300 m Höhe zur
Umkehr. Beim Abstieg unter schlechten Sichtverhältnissen
stürzt Hermann Buhl mit einer Wächte in die Nordwand ab.
Kurt Diemberger rettet sich ins Basislager und startet
mit den übrigen Expeditionsteilnehmern eine Suchaktion,
die jedoch erfolglos bleibt. Hermann Buhl bleibt seitdem
in der Nordwand der Chogolisa verschollen. Eine große
Bergsteigerkarriere findet so ihr tragisches Ende. Der
Mann, der schon unzählige Gefahren gemeistert hat, stürzt
in einer vergleichsweise harmlosen Situation zu Tode.
Hermann Buhl gehört mit Kurt Diemberger (Broad
Peak 8047 m, 1957 / Dhaulagiri 8167 m, 1960) und dem Sherpa Gyaltsen
Norbu (Makalu 8463 m, 1955 in der zweiten Gruppe der
französischen Expedition / Manaslu 8163 m, 1956) zu den einzigen Menschen,
die zwei Achttausender erstmals bestiegen haben.